... geblieben - trotz Wolke sieben.

Für mich zeichnet diese Beschreibung Martin Müllen aus Traben-Trarbach ganz besonders aus!

Auszeichnungen renomierter Weinkritiker und Weinführer hat er schon viele – verdienter Maßen (!) – und Weinjournalisten haben sich bereits vielfach und mehr als positiv über ihn und seine Weine geäußert . GULU ist weder das eine noch das andere und mein FUNDUS reklamiert auch nicht, ein Weinführer im vorgenannten Sinne zu sein. 

Aber getreu dem Motto ’Erlebe Gutes und berichte darüber’ ist es mir wichtig, ein paar Zeilen über dieses Weingut und seine Weine zu verlieren und ich hoffe, liebe FUNDUS-Freunde, dass Sie sie finden und festhalten.

Nun, GULU war vor Ort, konnte dabei Martin Müllen und Sohn Jonas persönlich kennenlernen und gemeinsam mit ihnen rund 2 ½ Stunden wertvoller Zeit verbringen. Sie wissen ja schon – immer sind es die Begegnungen mit Menschen, die dem Leben seinen Wert geben – hier auch noch mit einer Vielzahl hervorragender Weine als Rahmen. Was auch nicht wundert, denn der Wein hat ja die Aufgabe, den Menschen zum Gespräch zu führen – und das gelingt ihm hier ’mal wieder ganz besonders.

In unserer schnelllebigen Zeit des High-Tech ist es wohltuend, wenn Kontrapunkte gesetzt werden und dies tut Martin Müllen mit seinen Weinen. Sorgfältige Handarbeit, schonendes Abpressen der Trauben mit uralten Korbkeltern, Ausbau in Eichenholzfässern, spontane Gärung – das bringt Weine hervor, die schon beim ersten Schluck präsent sind, dabei auch lagerfähig und lange Freude bereiten. Da bleibt man bei Sinnen, die alle zusammen angeregt werden.

Auch muss man sich im Weingut Müllen ein wenig gedulden, bis die Weine auf der Flasche sind, obwohl doch der Markt und die Kunden ja häufig dem ’Primeur-Fieber’ verfallen und am liebsten die Weine schon kaufen würden bevor sie gelesen sind. Dafür können wir aber darauf vertrauen, dass Martin seine Weine nicht so schnell es geht ’raushaut’, auch wenn es durchaus genügend Abnehmer dafür gibt, sein Lager bis auf die letzte Flasche zu räumen.

Gerade dann, wenn derart himmlische Nachrichten eintreffen, wie erst vor Kurzem, als seine trockene Hühnerberg Spätlese* aus 2012 mit 96 Parker Punkten ausgezeichnet wurde. Einzigartige Bewertungshöhen für einen trockenen Moselwein – Wolke sieben eben.

Und dennoch kann man diesen Wein Tage später immer noch im Weingut verkosten und kaufen und das auch noch zu einem vernünftigen Preis. Erlebt man doch schon ’mal anderswo, dass Weine nach ähnlichen Höhenflügen bereits tags darauf ausverkauft oder in ihrem Verkaufspreis schlagartig abgehoben sind – ohne dies verurteilen zu wollen.  Der Markt gibt’s her und für den im positiven Sinne betroffener Winzer ist es dann auch verdienter Lohn für oftmals langjährige harte Arbeit in Weinberg und Keller. Aber gerade deshalb ziehe ich den Hut vor Martin Müllen.

Das Weingut gibt es seit 1991 und es ist selten geworden, dass man Weine der letzten 20 Jahre und mehr – und dies nicht nur vereinzelt und bereits in Spätlese- und Auslesequalität –  auf der aktuellen Weinliste findet, verkosten und dann auch noch zu moderaten Preisen kaufen kann. Gereifte Weine sind eine Spezialität von Martin Müllen, die mit vergleichsweise bescheidenem Alkoholgehalt begeistern – komm’ gieß’ mein Glas noch einmal ein ... und im Gegensatz zu Reinhard Meys Version sind Müllen’s Weine nicht billig, sondern reich an Rasse und Klasse - Schluck für Schluck!

Und dabei schmecken die alle noch so frisch, da graut es einem nicht vorm Altern. Vielleicht sollten wir dies auch häufiger auf uns selbst übertragen und gelassener werden ...

Apropos frisch – Jonas schenkt mir gerade vom 1995er Müllen Riesling Spätlese halbtrocken ins Glas, da fällt mein Blick auf’s Etikett, auf welches die Winzer ja immer das Datum d’raufschreiben, wann die Flasche geöffnet wurde. Nicht dass mich der Schlag trifft, aber dort steht geschrieben:

29.11.14.

Heute ist bereits der 04.03.15 (!) – die Flasche halbvoll und der Wein nach mehr als 3 Monaten immer noch ein Genuss! Auch das Entkorken der 1996er Kröver Letterlay Spätlese halbtrocken liegt schon ein paar Wochen zurück. Apropos ’Korken’ – für Martin Müllen ist und bleibt der Kork Verschlusssache. Gerade vor dem Hintergrund der gereiften Weine biete dieses Naturmaterial die besten Voraussetzungen für lagerfähge, langlebige Weine, so der Winzer.

 

Wenn auch der Riesling weitestgehend dominiert, auch ROT geht (und wie !) und beim Sehen, Riechen und Schmecken muss man sich nicht schwarz ärgern – ganz im Gegenteil. Was da als 2009er Trabener Königsberg Rotwein trocken ins Glas kommt: ein fruchtig-würzig-pfeffriger Dornfelder nach 36-monatiger Lagerung im Eichenfass – herrlich. Auch dieser Wein bereichert nun neben einigen Rieslingen meinen FUNDUS (fragt sich nur, wie lange ...).

Neben Martin leisten im Traben-Trarbacher Weingut Müllen natürlich auch die Ehefrau und der Sohn ihren wichtigen Beitrag zum Erfolg des Weingutes – das sollte man nicht vergessen. Die eine weilte gerade im Weinberg, als GULU vor sich hin schlürfte – ’Reben binden’ war angesagt und dies althergebracht mit Weiden,  natürlich – (im wahrsten Sinne des Wortes) und der andere, Jonas, gut gelaunte 20 Jahre und Geisenheim-Student, nahm sich viel Zeit, um GULU einen genussvollen Querschnitt durch fast 25 Jahre Weingutsweine zu ermöglichen. Dabei kompetent und mit jederzeit spürbarer  Begeisterung für seinen Beruf, für das Familienweingut und mit ganz viel Respekt vor dem Engagement seines Vaters, der sich dann auch mit ruhigem Gewissen zwischendurch ins Lager verabschieden konnte – Bestellungen müssen verpackt werden.

Es macht Freude,  die nächste Generation in den Startlöchern zu sehen – Bodenhaftung im Reisegepäck; die Traube fällt nicht weit vom Rebstock Winken.