Da steh‘ ich nun im Fasskeller des Weinguts Espenhof im rheinhessischen Flonheim-Uffhofen in Erwartung eines neuen Kapitels in Sachen ’Weiss auf Maische‘. Mir gegenüber – Nico Espenschied, jung (Jahrgang 1987 - also unwesentlich jünger als GULU Winken), unkompliziert oder auch ’cool‘, wie man auf Neudeutsch sagt, direkt beim DU (vielleicht seh‘ ich doch jünger aus…), heiter und mit klaren Vorstellungen davon, was er will und eben auch nicht. Auf jeden Fall in absehbarer Zeit die Zertifizierung als Bioweingut mit Verbandsanschluss.

Nicht der Wein-Gutschein-Führer Rheinhessen 2015, dessen Praxistest mich für den nächsten Tag ins Weinanbaugebiet Rheinhessen verschlagen hat und in welchem auch der Espenhof als Anbieter zu finden ist führt mich hierhin – es ist der Orange Wine aus dem Jahrgang 2012: Savagnin. Auf meiner ’Orange Wine-Verköstigungs-Tour‘ Ende 2014 war es mir zeitlich leider nicht mehr möglich, auch den Espenhof aufzusuchen – aber aufgeschoben ist nun mal nicht aufgehoben – voilà!

Savagnin Traminer 2012 – ein Jahr mit Super-Lesegut und damit ideal zum Einstieg in das Experiment ’Orange Wine‘, so Nico (ich bleib‘ jetzt auch beim DU). Seit jeher in der Kellerarbeit auch mit ganzen Beeren und Schalen arbeitend, war es dann eigentlich kein großer Schritt zum Ausbau von weißen Trauben wie Rotwein mit dem Ziel, Phenole und Gerbstoffe herauszuziehen – aber behutsam. Auch das Lagern und Gären im Holz war von Anfang an ein Thema – kein Unterschied ob bei weiß oder rot. Und auf die Frage, wie lange denn die Barrique-Fässer im Gebrauch bleiben kommt die einfache Antwort: ‘so lange das Holz dem Wein gut tut‘ – logisch! Allerdings liegt das Schwergewicht eindeutig NICHT auf der Erstbelegung, denn der Wein soll vom Holz eher geküsst als erschlagen werden. Was zählt, ist die Frucht und die Mineralität, die vom Holz gestützt, nicht aber dominiert wird.

2013 gab es (leider) keinen Savagnin II. Der 2012er Jahrgang war im Sommer 2013 gerade abgefüllt und zu dieser Zeit noch nicht absehbar, wie der Markt mit diesem neuen Produkt umgeht. Immerhin ist der Herstellungsprozess von Orange Wine zeitaufwendig und damit kostenintensiv – nicht umsonst ist bzw. war der Savagnin 2012 der teuerste Wein auf der Weinliste im Espenhof.

Aber 2014 wird es wieder ‘was mit Orange, wenn auch nicht mit Savagnin II. Das Weinjahr 2014 nahm zwar einen guten Anlauf, um wieder mit Gewürztraminer Trauben zu arbeiten (wer erinnert sich nicht an den Hochsommer Anfang Juni …), aber dann kam sie – die Kirschessigfliege. Über den Umweg der weingutsfremden Nachbarparzellen mit tiefroten Reben wurde dieses schwer zu bekämpfende Insekt im feuchten Sommer 2014 auch für die Espenschieds zur Plage – keine Chance für eine gesunde Vollreife der Gewürztraminer Trauben. Vorzeitig musste das Vorhaben Savagnin 2014 aufgegeben werden.

Um das Experiment Orange Wine aber nicht um ein weiteres Jahr unterbrechen zu müssen, war die Kreativität von ‘Nico in der Not‘ gefordert. Nun liegt der 2014er Savage im Barrique und blubbert vor sich hin.

 

Der Sauvignon Blanc musste herhalten und in einer Fassprobe konnte GULU einen ersten Vorgeschmack auf den neuen Orange Wine bekommen: Kräuter, grüner Paprika, sehr vegetal – so präsentiert sich der Savage Anfang Februar 2015.

Lassen wir uns überraschen, was uns da im Sommer eingeschenkt wird – reinen Wein, davon geht GULU aus! Gähnende Leere auf jeden Fall nicht Cool

Auch der Orange Wine aus dem Hause Espenschied ist Nische und wird auch auf absehbare Zeit Nische bleiben. Aber wer weiß, wie der Markt reagiert und wo die Reise in den vielen Jahren hingeht, die noch vor Nico liegen. Der Geisenheim-Absolvent ist seit 2012 Miteigentümer des Familienbetriebes mit rund 27 ha Rebfläche.

Aber zunächst wird eine andere Farbe bei Nico dominant sein – rosa ist es nicht, denn den Blick durch eine solche Brille hat Nico nicht nötig. Das Holzfass zu diesem Anlass ist schon in Arbeit und im Mai  läuten schon die Hochzeitsglocken – der Einstieg in die 9. Generation? Zu diesem Fest wird bestimmt die eine und andere Rarität aus den Tiefen der Schatzkammer herausgeholt:

Beim Savage 2014 aber gilt: Eile mit Weile – ruhig blubbern und ruhen lassen.