5 aus 9 mit Zusatzzahl - Tag 3

Es ist Freitag im April, nicht der 13. wenn auch dieser Tag wettertechnisch betrachtet nicht gerade ein Glücksfall war – aber ein wenig Lotterie muss es ja bei dem Tour-Titel wohl doch geben...

Mit für die Natur willkommenem Landregen starten wir nach einem gemütlichen Frühstück im Rebstock in einen ereignisreichen Tag. Eine Stunde später fahren wir auf den Hof des Weingutes Höfflin, den Schambachhof – das Weingut liegt im Schambachtal mitten im Kaiserstuhl. Die mobile Abfüllanlage ist voll im Betrieb und fleißige Geister trotzen dem Regen und sorgen dafür, dass die Arbeiten bis zum frühen Nachmittag abgeschlossen sind (ohne dass das qualitätsmindernde Nass von oben in den Flaschen landet, versteht sich): ‘they know how the bunny is running and bring their sheeps (better – bottles) in the dry – OK, GULUs english is not the yellow from the egg, but it goes’, oder? Winken

Auch wenn Ihnen nun die Nackenhaare zu Berge stehen – schmunzeln müssen Sie aber doch, oder?

Inspiriert durch einen Postkartenverkaufsstand in Staufen am Vortag mussten wir uns einfach in diesem ‘slang’ üben. Und was haben wir gelacht an diesem Tag mit Carmen Heisler und Matthias Höfflin vom Schambachhof: ’my loveley mister singing club’ (der Lieblingsspruch von Matthias an diesem Tag).

Aber der Reihe nach: GULU hatte sich Ende des vergangenen Jahres per Mail mit dem Ökologischen Weingut (Bioland sowie Mitglied im “Club Europäischer Bio-Weingüter") in Verbindung gesetzt, um den heutigen Besuch mit einer Verkostung des Weinsortiments zu planen. Hierbei ergab sich bereits ein richtig netter Austausch mit Carmen Heisler und während der ProWein im März 2015 hatte GULU bereits Gelegenheit, Carmen und Matthias persönlich kennenzulernen. Und es sind halt immer wieder die Begegnungen mit Menschen, die dem Leben seinen Wert geben... Spontan wurde dann die Idee geboren, den Aufenthalt auf dem Schambachhof ein wenig auszudehnen und dem Lärm der Abfüllanlage durch einen Spaziergang durch das Schambachtal zu entgehen – Picknick mit Brot, Bio-Käse vom Kaiserstuhl und allerlei Frischkost aus dem Hofladen nebenan (Bruder von Matthias) eingeschlossen. Das Picknick musste wegen des Wetters leider nach Innen verlegt werden, der guten Laune machte dies jedoch keine Abstriche.

Mit Regenjacken und –schirmen ausgerüstet und unter fachkundiger Leitung des befreundeten Ornithologen Engelbert Mayer (bis Mitte März 2015 insgesamt 24 Jahre Vorsitzender des NABU Kaiserstuhl) machen wir uns auf den (Hohl)Weg durch den Lebensraum Weinberg.

Von den traditionellen Hohlwegen – durch den Tritt von Mensch und Tier, durch das Befahren mit Karren und Wagen vertiefte Wege durch den Löß des Kaisterstuhls – ist heute nur noch ein kleiner Teil erhalten, was den großen Flurbereinigungen der 70er und 80er Jahre geschuldet ist. Die verbliebenen Hohlwege sind als Zeugnisse der alten Bewirtschaftung Kulturdenkmale und wichtiger Teil der Erholungslandschaft. Offenhalten, pflegen und nutzen – nicht betoniert oder geteert, so können sie sich dynamisch weiter entwickeln.

Kirschbäume neben Reben – diese Kombination war typisch für den Kaiserstuhl – heute werden sie seltener. Und als Gegengewicht zu der Monokultur der Rebflächen dient gerade im Bio-Weinbau ein Unterwuchs aus Wildkräutern. Die intensive Bodenbarbeitung übernehmen zum Dank der Schonung u.a. die Regenwürmer.

Dass Engelbert Mayer mit Leib und Seele Kaiserstühler ist und ‘seinen’ Naturgarten Kaiserstuhl mit allem was dort kreucht und fleucht wie seine Westentasche kennt, das merken wir auf Schritt und Tritt in den nächsten gut 2 Stunden. Engelbert ist ganz schön 'heavy on wire' ! Ein lebendiger Weinberg ist voller Klang und wenn der Wiedehopf zu sehen ist, hat Engelbert ihn schon lange gehört und wir deshalb auch erst die Möglichkeit, ihn bewusst wahrzunehmen. Nahrung gab es für die bis heute bedrohte Art immer genug aber es fehlte an Nistplätzen. Dank des Engagements von Engelbert Mayer und seiner Mitstreiter im NABU brüten heute wieder rund 100 von bundesweit etwa 400 Wiedehopfpaaren am Kaiserstuhl.

Auch der Bienenfresser (im Flug erbeutet er vor allem Bienen, Wespen und Hummeln), der andere farbenprächtige Charaktervorgel des Kaiserstuhls, galt noch vor gut 20 Jahren als ausgestorben. Heute hat er sich wieder gut vermehrt und ist ein regelmäßiger Gast im Kaiserstuhl, in dem sich das größte Brutvorkommen nördlich der Alpen befindet. Auch wenn seine Brutzeit erst Mitte Mai beginnt und er insofern noch mit Abwesenheit glänzt, seine Bruthöhlen im Löß sind heute dennoch gut zu erkennen.

Am Ende dieser abwechslungs- und insbesondere lehrreichen Wanderung bleibt neben einem herzlichen Dank an Engelbert Mayer nur noch zu sagen: ’again what learned’.

Zurück im Schambachhof ist das Picknick-Buffet schon bereitet und die Weine warten im gemütlichen Ambiente darauf, verkostet zu werden.

Regionaltypische Rebsorten werden im Schambachhof durchweg zu trockenen Weinen verarbeitet. Das A und O eines guten Weines ist ein qualitativ hochwertiges Lesegut, das nur aus vitalen Reben erwachsen kann, die auf gesunden Böden gedeihen. Alle Rotweine und rund 80% seiner Weißweine lässt Matthias Höfflin spontan vergären, d.h. statt der Trockenreinzuchthefen werden weinbergseigene Hefen eingesetzt, denen die Maischestandzeiten des Mostes im Keller eine gute Nahrungsgrundlage hierzu bieten. Bei den hochwertigsten Rotweinen, der Prestige-Linie, werden Beeren und Saft schonen von Hand durchmischt – da ist man hautnah bei der Sache, so Matthias Höfflin. Sozusagen ’mittendrin statt nur dabei’. Ehrlich gärt am längsten Winken.

Neben den Prestige-Roten (Spätburgunder unterschiedlicher Lagen und der RUFUS Cuvée) haben es GULU insbesondere die ‘fumé'-Weine angetan. Das sind Prestige-Weißweine, dessen selektionierte Trauben – wie bei seinem französischen Pendant Pouilly-Fumé, im alten Barrique vergoren werden. Danach ruht der Wein knapp ein Jahr im Fass. Diese Ausbauart beim Grauen Burgunder, beim Sauvignon Blanc und beim Souvignier gris (Neuzüchtung des Weinbauinstituts Freiburg als pilzwiderstandsfähige Rebesorte (PIWI) aus den Rebsorten Cabernet Sauvignon & Bronner) – für mich ein besonderer Genuss.

Der Schambachhof liegt etwas abgelegen außerhalb von Bötzingen. Dennoch ist es kein Schreibfehler, wenn der Eichelmann 2015 das biologische Weingut Höfflin nicht als Aussteiger sondern als AuFsteiger des Jahres (!) kürt Winken.

GULU muss aber jetzt aussteigen und so schwer es auch fällt, der Himmel hellt sich gegen 15 Uhr auf und eine halbe Stunde später heißt es dann im 10. Anlauf ’out the mouse’ – wir fahren! Hab’ mein Wagen voll beladen, voll mit lecker Tropfen ...

Wir fahren nach Oberrotweil, wo die bestellten Segways auf uns für eine Tour durch die Weinberge des Kaiserstuhls warten. ‘Oh wär’n wir nur im Schambachtal geblieben’ – so tönt es heute noch in meinen Ohren und das Aufhellen des Himmels vor gut einer Stunde diente wahrscheinlich nur dazu, uns in Sicherheit zu wiegen. Nachdem wir für den Gebrauch der Segways eingewiesen wurden und die ersten 30 Minuten der Eingewöhnung vorüber waren, zogen Gewitter mit ergiebigen Regenfällen auf – und GULU mittendrin. Das ’mittendrin’ in der umgerührten Maische wäre mir lieber gewesen... Nichts wie zurück zum Auto – aber das waren - auch bei Segway-Vollgas von 20 km/h - immer noch rund 20 Minuten. (Gott sei Dank gibt es hierüber kein fotographisches Beweismaterial...).

Ende gut – Gar nichts gut: Nass bis auf die Knochen erreichten wir den Parkplatz wieder. ’Ihr habt aber noch ‘ne halbe Stunde’, dieser Spruch des Guide lässt GULU kalt. ‘Talk no cheese - it’s me sausage’ – zumindest in Gedanken bin ich schon unter der heißen Dusche.

Und die steht in der Winzerstube in Ihringen, dem WeinHotel und –Restaurant mit angeschlossenem Weingut Dr. Schandelmeier. Liebe Freunde, Stephen und Anna, die in wenigen Tagen, genau genommen 3 Tage später eine süße Tochter zur Welt bringen wird. An diesem Abend treffen wir Stephen nur kurz – verabredet haben wir uns für den kommenden Samstagmittag, an dem wir nochmals zur Mittagsrast in der Winzerstube aufschlagen. Stephen hat ein Überraschungsmenü mit begleitenden Weinen des Kaiserstuhls vorbereiten lassen – und dies versöhnt und sorgt für einen genussvollen Ausklang des Tages.

Und dennoch – war das ein Gewitterregen: ’my loveley mister singing club’...