5 aus 9 mit Zusatzzahl - Tag 4

Am letzten TourTag war uns das Wetter wieder wohl gesonnen und morgens um 8 Uhr sieht dann das Schambachtal auch schon viel freundlicher aus:

Nach dem Frühstück in der Winzerstube geht es dann ins gerade einmal 5 km entfernte Merdingen (Weinregion Tuniberg, nicht mehr Kaiserstuhl), wo uns Frau Gretzmeier vom gleichnamigen Öko Wein- und Sektgut erwartet.

Hier wo es hohe Keller ermöglichen, den Wein ohne Pumpen auf die schonendste Art und Weise zu verarbeiten zeigt sich kellertechnisch eine große Erfahrung in der Ruhe und langen Reifezeit, die den Weinen gegönnt wird. Eine 24-monatige Fassreife ist bei allen Rotweinen Pflicht, bei entsprechender Qualität des Lesegutes auch im kleinen Barrique. GULU ist immer wieder begeistert Weinkarten vorzufinden, die nicht vom Primeur-Geist geprägt sind. Hier im Weingut Gretzmeier ist beim Rotwein zur Zeit der Jahrgang 2007 ganz stark vertreten, aber auch Vertreter der Jahre 2005 und der jüngste Tropfen ist aus dem Jahr 2012. Bei den Rebsorten findet sich eine bemerkenswerte Kombination aus umwelt-schonenden Neuzüchtungen und traditionsreichen Rebsorten: Cabernet Carol, Cabernet Cubin und Regent finden sich zusammen mit Spätburgunder in verschiedenen Cuvées wieder und letzterer wird natürlich in verschiedenen Qualitäts- und Ausbauvarianten sortenrein ausgebaut.

Einen Auxerrois hier im südlichen Baden vorzufinden ist schon eine Seltenheit, dass aber sogar Elbling die Weinkarte ziert – da bedurfte es schon einer langjährigen und hartnäckigen Beharrlichkeit des Winzers, um 2008 endlich die Genehmigung zu erhalten, diese Traube im Rebsortenversuch anbauen zu dürfen. Schließlich war der Elbling als eine der ältestens Weißweinsorten Europas in Baden per Weingesetz seit den 1970er Jahren nicht mehr zugelassen. Und der Erfolg gibt ihm Recht – der badische Elbing ist zurück!

Aber richtig große Augen bekam GULU dann beim Anblick der feinen Liköre, Edelbrände und edlen Jahrgangsbränden, die bis ins Jahr 1971 zurückdatieren. Und das Tüpfelchen auf dem i stellt dabei das völlig neue Brennkonzept dar – ressourcenschonend und betriebsökonomisch zugleich: die Vakuum-Solar-Brennerei. Um qualitätsvoll destillieren zu können, muss der Brennkessel herkömmlich in möglichst kurzer Zeit auf hohe Temperatur gebracht werden, was traditionell große Mengen Holz, Öl oder Gas beansprucht und damit einen erheblichen CO²-Ausstoß nach sich zieht. Das von Heinrich Gretzmeier entwickelte Brennverfahren ermöglicht  einen geschlossenen Vakuum-Kreislauf, der den Siedepunkt von 78°C auf ca. 35°C senkt und die Solarkollektoren treten hierbei als Energielieferant auf. Getreu dem Leitspruch des Winzers: Edle Brände allein aus der Kraft der Sonne, von der Frucht bis ins Glas. Und die Frucht ist dabei ganz intensiv im Glas – durch den geschlossenen Vakuum-Kreislauf geht nichts verloren. Wen wundert’s dann auch, dass Heinrich Gretzmeier hierfür auch den 1. Preis beim Landwirtschaftspreis 2013 für unternehmerische Innovationen in Baden-Württemberg erhielt.

Nach so viel bemerkenswerten Eindrücken ging es zurück zur Winzerstube nach Ihringen am Kaiserstuhl, wo wir uns für den Rest des Tages erst einmal stärken mussten. Begleitet von einer netten Plauderei mit den Inhabern Anna und Stephen Schandelmeier schmeckte der leckere Eintopf besonders gut. 2 Tage später kam die Tochter Emilia-Valentina zur Welt und seit dem 1. Mai hat das Restaurant neue Gastgeber durch die Verpachtung an die Wirtsfamilie Djeric – das Leben ist ein steter Fluss...

Viel Glück wünscht GULU allen hier Genannten mit den neuen Herausforderungen.

16 Uhr – wir sind zwischenzeitlich bei der Zusatzzahl Winken angelangt. Die Badische Weinstraße liegt hinter uns, nachdem ein kurzer Lade-Stopp bei Olivia und Andreas Bieselin, Ettenheim, zur Mitnahme einiger Roter Seccos (CabernetMitos - 01.06.2015 - Blickwinkel) führen musste (denn viele Flaschen des 2013er Jahrgangs gibt es nicht mehr und die müssen für meinen FUNDUS gesichert werden – auch weil es 2014 leider keinen Nachfolger gibt).

Nun begrüßt uns die Pfalz ganz herzlich in Person von Frau Gaspar-Seeber vom Bioland-Weingut Winfried Seeber, St. Martin. Gemütliche knappe 2 Stunden verbringen wir in der Probierstube und verkosten uns durch die Weinkarte.

Trotz der großen Auswahl, die viel Freude machte muss GULU im Sommer wiederkommen, wenn die ausgetrunkenen Sorten, wie z.B. der Chardonnay trocken Barrique wieder neu aufgelegt sind. Vorfreude …

Nachdem wir die Zahnbürsten in unserem Nachtlager in der Grafenstube gegenüber kurz abgelegt haben, geht es zur letzten Station – dem Kirchstübl in der Kirchstraße. Bei ausgesprochen schmackhafter Pfälzer Kost lassen wir nicht nur den Tag sondern die ganze Tour Revue passieren – interessante Neuentdeckungen, Auffrischung von Bekanntschaften, Vertiefung von Freundschaften – wieder eine gelungene Mischung.

Für 2015 geht die WäinTour nun zu Ende – aber nach der Tour ist vor der Tour und die Vorbereitungen beginnen in Kürze damit wir 2016 wieder erwartungsfroh starten können. Dann geht es in ganz neue Weingefilde, die auch nicht gerade vor der Haustür liegen: Saale-Unstrut und Sachsen.

Eine gute Zeit bis es dann heißt:

Euer GULU Cool