Ein Fest

Riesling Eiswein 1996

Rheinhessen

 

Die Familie zusammen am Weihnachtstisch,

ja, das ist schon ein Fest für sich.

Und für Augen, Gaumen, Nase,

die hell strahlen bei dem Glase,

in dem nicht bleibt der kleinste Rest:

Für diese 3 war’s auch ein Fest!

 

Als meine älteste Tochter vor gut 18 Jahren das Licht der Welt erblickte, stellte ich ihr eine schöne Kiste mit 3x2 erlesenen Weinen ihres Geburtsjahres in der Hoffnung zusammen, dass sie diese Weine auch noch genießen kann, wenn die Volljährigkeit erreicht ist. Und wie die Zeit vergeht – im vergangenen September war es dann soweit: Die Kiste konnte geöffnet werden und da es meine Tochter immer noch gut mit der Familie und auch mit ihrem Vater meint, ließ sie uns teilhaben an der Entdeckung dieser Schatzkammerrarität.

Und es könnte dafür wohl kaum einen würdigeren Rahmen geben als das Weihnachtsfest, das viele Parallelen zu der vorhergehenden Geschichte bietet: Hier geht es schließlich auch um Geburt, um’s Schenken, Teilen, um große Freude und der Advent als vorhergehende Zeit der Hoffnung passt da ja auch irgendwie rein. Auf einen Gegensatz muss der Vollständigkeit halber dennoch hingewiesen werden: GROSSE Freude – KLEINE Flasche Winken

Endlich war es dann soweit – der Korken sollte behutsam aus der Flasche gezogen werden, was aber trotz größter Sorgfalt nicht gelang. Er brach in der Mitte und die restlichen Korkteile und –brösel konnten durch ein Weinsieb gerade noch daran gehindert werden, sich mit dem Elixier auf den Weg in’s Glas zu machen.

Was wir bei einem derartigen Wein immer wieder bedenken sollten: Eile mit Weile – auch wenn die Zunge Wasser zieht! Dieser Eiswein hatte es immerhin 18 Jahre in der Flasche ausgehalten – aus diesem Grund sollten wir ihm auch mehr als 18 Sekunden Zeit geben, sich im Glas zu entfalten. Mit Geduld genießt man am längsten!

Zähflüssige Konsistenz – beinahe hätte man Messer und Gabel benutzen können (nicht umsonst wurde ja zu diesem Festtag das gute Besteck ausgelegt Cool). Bernsteinfarben – ganz intensiv – und an der Glasinnenseite zeigten sich ölige Schlieren, in der Weinsprache Kirchenfenster genannt (schon wieder ein Bezug zum Weihnachtsfest – es scheint wirklich der richtige Wein zu sein). In der Nase Trockenfrüchte und Honig pur, am Gaumen cremig. Kauend und schlürfend wurde Mann und Frau von diesem Meisterwerk der Fruchtsüße-Säure-Aromen in den Bann gezogen - und das bei ursprünglich ganz bescheidenen 9,5% Volumen Alkohol. Der Mund war geradezu zugekleistert und der Abgang – wie die Botschaft des Weihnachtsfestes – währet ewiglich…