7. Dez, 2015

back to the roots

2008 Ruländer

Baden (Kaiserstuhl)

 

Tiefes Goldgelb im Glas, so präsentiert sich dieser als Ruländer traditionell ausgebaute Grauburgunder für’s Auge. Die typischen Aromen der Rebsorte machen sich sofort in der Nase bemerkbar, ohne dass der Wein aufdringlich ist – ganz normal in der besten Bedeutung des Wortes. So wie sich in längst vergangenen Zeiten die Weine ‘ganz normal‘ ohne großen Technikeinsatz behutsam und mit Zeit entwickeln konnten. Spontan vergoren – versteht sich: ehrlich gärt am längsten… Und dass die antikblaue Schlegelflasche mit Original-Etikett des Weinguts (-->Ein halbes Leben) aus der Jahrhundertwende bestens zu diesem Vintage-Wein passt, steht außer Frage.

Das Holz aus der 4-jährigen Lagerung im Stückfass (900 Liter) bringt den Schmelz aber keine ausdrucksstarke geschweige denn überlagernde Note. Sehr gehaltvoll, vielschichtig ist dieser Wein und nicht zu schwer bei 13% Vol. Alkohol. Und der oxidative Ausbau hat natürlich auch seine positive Auswirkung auf die Lagerfähigkeit des Weines.

Ok, diese Flasche neigt sich nun dem Ende, was aber nicht auf den Aus-bau sondern eher auf die mangende Aus-dauer von GULU zurückzuführen istLächeln. Nachdem das erste Glas ‘einfach so‘ verkostet wurde, begleitete der Ruländer anschließend ein in Cherry-Ingwer mariniertes Putenfilet mit Salzkartoffeln und gedünstetem Chicoree ganz hervorragend.

GULU schätzt diese Art des wiederentdeckten Weinausbaus, der heute nicht mehr mainstream ist aber hin und wieder neu entdeckt wird und von Einzelnen noch nie aufgegeben wurde (-->Auf dem Boden). So zeigt uns auch dieses Beispiel, dass die Generationen vor uns mit viel bescheideneren Hilfsmitteln ihr Handwerk auch verstanden haben. Und vielleicht tritt ja heute das Handwerk bei all der Technik hier und da ein wenig in den Hintergrund. Und Handwerk heißt dann auch, die Hand ‘mal zurückzunehmen und dem Naturprodukt Wein die Ruhe und Zeit zu geben, die es benötigt und die wir ihm im Zeitalter von Primeur und Jugendlichkeit oftmals nicht mehr zugestehen. Weniger ist halt auch schon ’mal mehr.

Wir müssen ja nicht heute schon auf den Jahrgang 2016 schielen, wenn 2008 gerade erst zu großer Form aufläuft.