Freu(n)de festigen - OrangeWine verköstigen

20. November 2014: Ein neblig-trüber Donnerstagmorgen – ich starte Richtung Ettenheim im Breisgau quer durch Frankreich. Da ich gegen den Verkehrsstrom unterwegs bin komme ich prima voran; im Gegensatz zu den Tausenden von Pendlern, die sich täglich nach Luxemburg quälen: erst hinter Thionville entstehen Lücken zwischen den Stoßstangen.

Mein erster Stop ist fast schon Routine – immer wenn ich in dieser Ecke unterwegs bin muss ich der Destillerie Nusbaumer in Steige – unweit von Selestat im Elsass – einen Besuch abstatten. Der Grund ist ganz einfach:  Cumin – so heißt das Zauberwort. Ein langjähriger und guter Weinfreund hat stets und beinahe ungefragt Bedarf an dieser schmackhaften Verdauungshilfe, so dass es schon mehr als fahrlässig wäre, einen kleinen Umweg nicht in Kauf zu nehmen. Man hilft ja gerne ...

Auch die zweite Station ist dieses Mal quasi reine “Ladestation” – Cabernet Mitos Secco aus dem Weingut Bieselin in Ettenheim. Hier steht ein weiterer Lieferauftrag auf meinem Tour-Zettel. Kein herkömmlicher Secco (!) und heute sind ein paar der Flaschen auch für meinen FUNDUS, denn es wird Zeit, hierüber einen (W)EINDRUCK zu hinterlassen.

Weiter geht’s in dichtem Nebel, der sich auch im Kaiserstuhl hatnäckig hält.

Ein wesentlicher Teil meiner 2014er Jahresabschluss-Tour ist ja der Entdeckung von Orange Wines (OW), also von "-->WEISS AUF MAISCHE" gewidmet – ich will mir endlich einen geschmacklichen Eindruck von diesen heiß diskutierten Weinen machen! Auf meiner Liste der OW-Produzenten, die ich mir vom Deutschen Weininstitut (DWI) besorgt hatte, steht u.a. das Weingut Freiherr von Gleichenstein in Oberrotweil.

Bereits vor mehr als 20 Jahren fand ich den Weg in diesen Weinkeller, doch einen Orange Wine suche ich hier vergeblich (-->Ein halbes Leben). Für heute war’s das dann auch schon mit OW – der Freitag ist diesem Thema ganz kompakt vorbehalten.

Mit ausreichend Zeit im Gepäck klopfe ich dann kurz nach der Mittagspause an die Tür des Weingutes Birmelin in Leiselheim (-->Winzer), wo mich schon der Juniorchef Martin erwartet. Kennengelernt vor gut einem Jahr ist es mir eine besondere Freude, wieder über (Wein)Gott und die (Wein)Welt zu plaudern, altbekannte und neu verfüllte Weine zu verkosten und die Gedanken schweifen zu lassen. Weinfreunde zu Hause und mein FUNDUS kommen natürlich auch auf ihre Kosten: Schwer mit den Schätzen von Birmelins beladen... Wir seh’n uns wieder – keine Frage!

Anschließend noch kurz auf die Schnelle auf den Blankenhornsberg in Ihringen zum Staatsweingut Freiburg, um den 2011er Blankenhornsberger Cabernet Carbon Barrique trocken für meinen FUNDUS nachzulegen, in dem noch eine letzte Flasche des 2009er schlummert und auf eine Vergleichsprobe wartet.

Und dann – es ist schon dunkel – wartet ein wohltuender, gemütlicher Tagesabschluss bei Freunden in der Winzerstube Ihringen auf mich (hoffentlich auch auf Anna und Stephen Winken(-->Restaurants). Hirschfilet und weingutseigener Spätburgunder Rotwein trocken aus dem Barrique (unicus 2011) begleiten die persönlichen und unternehmerischen Rück- und Ausblicke. 2015 wird besonders – wir  3 wissen ES! Und GULUS FUNDUS-Leser wissen es auch: es sind immer die Begegnungen mit Menschen, die dem Leben seinen Wert geben. Deshalb – bevor ich zu späterer Stunde die Hotelzimmertür in der Winzerstube öffne: Habt Dank und Gute Nacht Freunde!

Freitag morgen – zarte Nebelschwaden und hier und da einzelne blaue Flecken: Das scheint ein schöner Tag zu werden. Nicht nur dass die Sonne lacht, auch das was ich an diesem Tag alles an “WEISSWEIN AUF MAISCHE” und Menschen in diesem Zusammenhang kennenlernen konnte  -  herrlich, ein wertvoller Tag:

In der Staatlichen Weinbaudomäne Oppenheim gab’s allen Ernstes ‘nen Ludwig (-->(W)EINDRÜCKE), aber genau genommen war es ja ganz anders (-->genau so, nur anders).

Im Weingut Braunewell konnte ich sogar einen -->François mitnehmen, obwohl es ihn eigentlich gar nicht mehr gab und ich lernte es zu schätze(l)n, dass auch mit einem -->QuerKopf gut Kirschen essen ist!

Der mit Bedacht gewählte (weil All in One: Weingut, Gutsschänke und Bio-Gästehaus) Abschluss des Tages fand im rheinhessischen Flörsheim-Dalsheim statt. Auch wenn schon ‘mal der Krug zu Bruch geht, ehe er den Brunnen erreicht Winken so konnte ich – Ende gut, alles gut – im Ökologischen Weingut Schmitt in die Tiefen der Unterwelt vorstoßen:  -->Orpheus

Schlechte Träume quälten mich aber nicht – ganz im Gegenteil: Die Weine verursachten keinen dicken und schweren Schädel und in den Betten schläft man – auch in der oftmals schwierigen ersten Nacht – einfach prima. 

Das zertifizierte Bio-Frühstück am nächsten Morgen bei noch strahlenderem Sonnenschein als am Vortag ließ mich dann wohlgelaunt die Heimreise antreten. Allerdings musste die eine oder andere Impression noch als Foto eingefangen werden (-->(WE)INPRESSIONEN) und ein letztes Weingut stand noch auf meiner Agenda: runter in den Bergkeller nach Niederkirchen bei Deidesheim.

Eigentlich war der Kofferraum meines FUNDUS-Transporters bereits gut gefüllt. Die Weinbar im Keller des Weingutes lockte jedoch anläßlich der jährlichen Hausmesse an diesem Wochenende mit der gesamten, vielfältigen Produktpalette an Weinen, Sekten und Destillaten, die ALLE im Vorbeigehen verkostet werden konnten: entweder für sich allein je nach Zeit und Gusto oder mit beratender Unterstützung vieler freundlicher Mitarbeiter.

So gesehen ein tagesfüllendes Programm; wenn da nicht noch gut 200 km Rückreise mit sicherer Lenkradbeherrschung warten würden... OK, dann müssen doch noch ein paar Kisten mit – wir sehe’n uns in GULUS FUNDUS.

Mit leerem Magen fährt es sich ja auf Dauer auch nicht gut und mit ein wenig gutem Willen liegt der Landgasthof Paulus in Sitzerath (-->Restaurants) mal wieder quasi auf der Strecke. Kurz vor Küchenschluss saß ich dann bei Thomas am Tisch und ohne ein aktuelles Highlight aus seiner begehbaren Weinkarte im Glas wird natürlich kein Essen aufgetischt! Die perfekte Abrundung einer gelungenen Reise mit WeinFreu(n)den !

GULU freut sich schon auf 2015.

Randlagen

1 Tag vor Beginn der WM habe ich meine eigene WM 2014, also meine diesjährige Wein- und Mundungs-Reise gestartet. Darauf freue ich mich schon seit den ersten Vorbereitungsarbeiten im vergangenen Jahr und habe alles bestmöglich geplant. Meine beiden Weinfreunde haben ihr Roadbook schon seit Wochen auswendig gelernt ...

Die 5-tägige Wein- und Genussreise führte uns bereits nach wenigen Kilometern zu unserem ersten Stop an die Nahe, Weingut HEXAMER, D-55566 Meddersheim. Wie bei den folgenden Weingütern auch, nutzten wir für die gekauften Tropfen die Versand-Option: der Transport im Auto hätte uns bei diesen hohen Temperaturen die späteren Weingenussfreuden zu Hause mit Sicherheit mehr als nur eingetrübt. Die Gefahr reiner 'durchlaufender Posten' war uns da viel zu groß. Nach einer kurzen Mittagsrast ging es dann zu den "Vierteleschlotzer" nach Württemberg. Im Weingut ZIPF, D-74245 Löwenstein begrüßte uns der Senior des Hauses, eigentlich schon Rentner. Sein Erfahrungsschatz, gespickt mit allerlei Erlebnissen rund um den Wein führten zu einer kurzweiligen Verkostung der Weine und dies bei gefühlten 30 Grad. Am nächsten Morgen stand das Weingut KECK, D-74676 Niedernhall (Winzer) auf der Agenda und dies mit fruchtbetonten Weinen, auch aus dem Barrique und ausgefallenen Künstler-Etiketten (siehe Foto): Speziell bei der linken Flasche heißt es dann 'Nomen est Omen' - keckWinken. Für den Nachmittag war das Weingut HOFMANN, D-97285 Röttingen angesagt. Exemplarisch für alle Orte und Weingüter dieser Tour sei hier das Motto 'Randlagen' erläutert. Röttingen ist quasi eine weinfränkische Exklave im Taubertal, wo die Weinanbaugebiete Baden und Württemberg dominieren. Aber Röttingen ist trotz seiner Randlage in Franken fest verwurzelt. Das Weingut Hofmann, auf seiner Internet-Seite als 'das Tauberschwarz-Weingut im Taubertal' bezeichnet, konnte unsere Erwartungen insoweit nicht erfüllen, da alle trockenen Rotweine aus dem kleinen Holzfass, insbesondere auch der deutschlandweit betrachtet seltene Tauberschwarz nicht probiert werden konnten: die alten Jahrgänge vergriffen und die Folgejahrgänge noch nicht im Verkauf. Diese 'Niederlage' konnten auch die Brasilianer im WM-Eröffnungsspiel an diesem Tag nicht mehr wettmachen. Der nächste sonnige Tourtag brachte auch wieder strahlende Weinschlürfer zum Vorschein: Nach einem sehr angenehmen Halt in Baden bei den BECKSTEINER WINZER, D-97922 Beckstein (Winzer) erreichten wir am frühen Nachmittag den nördlichsten Teil der Pfalz in unmittelbarer Randlage zu Rheinhessen, das Zellertal. Hier waren wir mit einem meiner persönlichen Lieblingswinzer im Weingut WICK, D-67308 Zellertal-Zell (Winzer)verabredet. Dies betrifft sowohl die Weine und Sekte, das Ambiente in der Weinprobierstube als auch das Winzerehepaar selbst, Martina und Jochen Wick. Das auch auf der Internetseite kommunizierte Lebensmotto spricht ganz sicher für die Beiden: "Und immer sind es die Begegnungen mit Menschen, die dem Leben seinen Wert geben" (Wilhelm von Humboldt). Dieser herrliche Nachmittag und Abend mit dem Abschluss bei der Wingertschnegg ließ sogar das beeindruckende 5:1 der Niederlande gegen Spanien nebensächlich werden. Mit schönen Erinnerungen im Gepäck (für den Wein war es ja - wie bereits geschrieben - zu warm) ging es am nächsten Morgen weiter und wir klopften an der Tür des Weingutes Heinrich VOLLMER, D-67158 Ellerstadt. Die Besonderheit dieses Weingutes liegt darin, dass Herr Vollmer 1987 ein zweites Weingut in Argentinien (südlich von Mendoza) gründete, wo seit nunmehr 4 Jahren nach biodynamsichen Gesichtspunkten gearbeitet wird. In der Vinothek im Römerturm in Ellerstadt können nun sowohl die deutschen als auch die argentinischen Erzeugnisse verkostet werden und Biggi vergönnte uns einen unterhaltsamen Vormittag. Die WäinTour fand ihren Abschluss beim Weingut SCHÖNLAUB, D-76889 Gleiszellen. So sehr mir auch die roten Tropfen zusagten, die vom Senior des Hauses so sehr geschätzten Weißweine kamen überhaupt nicht zu Geltung, weil keiner der Weine gekühlt war; insbesondere bei den diesjährigen hohen Temperaturen eindeutig ein Fehlgriff.

Alles in allem wiederum eine gelungene Tour mit dem eindeutigen Höhepunkt am Freitag im Zellertal. Hier hatten wir unser Finale dann schon 4 Wochen früher gewonnen...

Und natürlich machen wir weiter - kein 'lahmer' Rücktritt !

...am richtigen (Aroma)Rad kann man durchaus drehen...
ECOVIN-Weingut WICK, Zellertal (in der Mitte: Jochen Wick)

Flüssigzins I

Aufmerksamen Lesern meines FUNDUS ist es ja nicht entgangen, dass ich im vergangenen Jahr im Weingut PIX in Ihringen am Kaiserstuhl / Baden einen Wein-Genuss-Schein erworben habe, dessen jährlichen Flüssigzins ich nun gerne persönlich 'eintreibe'. Dies schließt natürlich immer den Genuss ein, das gesamte Repertoire verkosten zu können, damit die selbst ausgewählten Erträge mit ruhigem Gewissen in den eigenen Keller überführt werden können.

Getreu dem Motto 'der Weg ist das Ziel' nutze ich diese Gelegenheit wiederum, Neues in Vorbereitung einer meiner nächsten WäinTouren zu entdecken und natürlich auch Bewährtes zu vertiefen. Zu den langjährigen Kontakten am Wegesrand zählten auf dieser 3-Tages-Reise: das Weingut Volker und Karin GRIEBEL, D-67278 Bockenheim in der Pfalz mit seinem spritzig trocken-frischen Spätburgunder Blanc de Noir, dieses Mal aus dem Jahrgang 2013 und den immer wieder herrlich dunkel kräftigen und fruchtig-saftigen Cabernet-Mitos (2011), Frühburgunder Auslese (2012) und dem noch aus Versuchsanbau stammenden VB 91-26-29 (2011) -  zum Wohl auf diejenigen, die bei der Weinauswahl nicht dem Label sondern ihrem eigenen Geschmack trauen. Weiterhin das Weingut SCHALES, D-67592 Flörsheim-Dalsheim in Rheinhessen mit seinen außergewöhnlichen Winzersekten, für mich insbesondere in den trockenen Varianten Bacchus und Gelber Muskateller - wirkliche Aha-Erlebnisse. Daneben - als Rotweinliebhaber - immer wieder gerne die Weine der Cardinalis-Linie: intensive, beerige und würzige Tropfen, die den internationalen Vergleich nicht scheuen müssen und dies auch nicht tun. Als Dritten im Bunde das Weingut Andreas BIESELIN, D-77955 Ettenheim im Breisgau / Baden, allein schon wegen des fruchtigen, fast schon schwarzen Secco aus 100% Cabernet Mitos, trocken ausgebaut, für mich ein absolutes MUST, der sogar einen Umweg lohnt: einfach so auf der Terasse oder als erfrischender Begleiter beim Grillen - Probieren geht eindeutig über Studieren!

Bleibt zum Abschluss die Neuentdeckung dieser Tour - das Weingut HERZTAL, D-77704-Oberkirch-Nussbach in der Ortenau / Baden. Herzliche Gastgeber, eine breite Palette cremig-fruchtiger Weißweine sowie herrlich vollmundiger Rotweine - natürlich Spätburgunder, aber auch Syrah, Merlot, Regent, Cabernet Dorsa und verschiedene Cuvées, die auch im Barriqueausbau immer die Frucht zu Geltung kommen lassen - vom Holz geküsst mit schönem stabilen Gerüst ohne zu überlagern. Damit diese Vielfalt so richtig genossen werden kann ist es von Vorteil, dass in der weingutseigenen, sehr gemütlichen Straußwirtschaft auch für das leibliche Wohl bestens gesorgt ist. In 2015 ist dieses Weingut fest für die große 5-Tages-WäinTour eingeplant. Ich freue mich heute schon darauf!

Sonnenuntergang am Ihringer Fohrenberg